Weil die Symbolik der Kabbala mir so zeitlos vorkommt, ist sie für mich als Gestalterin von zentralem Interesse.

Die dort wirksamen Symbole sehe ich als Archetypen und sie wirken in Menschen, Organisationen und Unternehmen auf die gleiche Weise. Ein befreundeter Kabbalist sagte vor vielen Jahren einmal zu mir: „Wenn du den Lebensbaum verstehst, dann kannst du das überall anwenden und damit sogar Unternehmen beraten.“ Erst Jahre später habe ich verstanden, was er damit gemeint hat.

Von Mund zu Ohr

Das Wort Kabbala stammt aus den semitischen Sprachen und ist seit mindestens 3000 Jahren nachweisbar. Es wird oft mit dem Judentum in Verbindung gebracht, lässt sich aber aufgrund seines Alters keiner Religion zuordnen, dennoch ist die Sprache der Kabbala das Hebräische, welches vor der Gründung des Staates Israel ausschließlich eine Ritualsprache war. Kabbala bedeutet empfangen oder annehmen und weist auf die Art hin, in der die Lehre verbreitet wurde. Jeweils vom Mund des eingeweihten Lehrers zum Ohr, des ausgewählten und sorgsam ausgebildeten Schülers. Es gibt viele verschiedene Veröffentlichungen über die Zuordnungen. Man sollte diese nur als Orientierung verwenden. Eine Lehre sollte meiner Meinung nach nie die eigene Intuition ersetzen. Sie kann ihr höchstens auf die Sprünge helfen.

Der Lebensbaum

Das wichtigste Symbol der Kabbala ist der Lebensbaum. Er wird auf den Kreuzungspunkten von vier Kreisen der Blume des Lebens konstruiert. Die zehn Punkte des Lebensbaumes heißen Sephira (plural Sephiroth). Hier kommen wir jetzt zum Bezug zu den Zahlen denn Sephira heißt Ziffer und ist in diesem Zusammenhang auch der mystische Ursprung des griechischen Wortes Sphäre, denn es handelt sich tatsächlich um 10 geistige Sphären. Diese Sphären/Ziffern haben Charaktere und stehen untereinander in Beziehung. In der Kabbala spricht man von lebenden Intelligenzen. Als kleiner Überblick über eine der vielen Deutungsebenen: Das göttliche Licht tritt von der höchsten Sphäre, Kether/Krone, der Einheit (eins) Schritt für Schritt hinab bis es in der untersten Sphäre, Malkuth/Königreich in Manifestation des Geistigen in der Materie gipfelt. Der Lebensbaum verrät uns auf dieser Ebene jedes Detail eines Manifestationszyklus, der sich auch in jeder von Menschen gemachten Schöpfung im kleinen wiederholt. Mit der Zehn erfährt die Eins eine Erhöhung auf einer anderen Ebene. Sie zeigt auch den Beginn eines neuen Zyklus.

Die Pfade der Weisheit

Die zehn Ziffern sind durch 22 Pfade der Weisheit miteinander verbunden. Sie entsprechen den aus der phönizischen Schrift abgeleiteten hebräischen Buchstaben (auch griechische, lateinische, kyrillische und arabische Buchstaben haben die gleiche Wurzel). Die 22 hebräischen Buchstaben haben jeweils eigene Charaktere. Aus ihren Formen lassen sich aus Hieroglyphen ableiten. Ihnen werden Zahlen zugeordnet. Diese Zuordnung nennt man Gematria. 1-9, 10-90, 100-400

Auf diese Weise verraten uns Worte und Wortgruppen eine verborgene Bedeutung und ihren tieferen Sinn. Die Charaktere der Buchstaben wurden in den 22 Trumpfkarten des Tarot in verschlüsselten Symbolen dargestellt. Man geht davon aus, dass dies geschah, nachdem die große Bibliothek von Alexandria zerstört wurde (vermutlich 48 v. Ch. durch Caesar) um einerseits das Wissen vor dem Vergessen zu retten und andererseits zu gewährleisten, dass es nur entsprechend vorgebildete Menschen deuten können. Insgesamt kann die Kabbala uns viele Geheimnisse des täglichen Lebens entschlüsseln. Ich habe an dieser Stelle nur Bezug auf die Zahlen und Buchstabenmystik genommen. Diese Lehre bietet aber weit mehr, zeitlos gültige und sehr lebensnahe Weisheiten.