Farbe ist Licht im Bereich von 400nm (Violett) bis 700nm (Rot). Das ist die nüchterne Beschreibung eines Phänomens, das uns Menschen emotional sehr bewegen kann. Als Designerin habe ich durchaus hitzige Debatten über kleinste Farbnuancen erlebt.

Und auch Johann Wolfgang von Goethe hatte starke Gemütsbewegungen, wenn er an die Farbstudien Newtons dachte. In seiner „Farbenlehre“ wandte er sich gegen die zu seiner Zeit als Grundstein der Wissenschaft betrachteten Studien Newtons. Er war davon überzeugt, die Farben würden sich nur aus der Mischung von Helligkeit und Dunkelheit ergeben. Er beanspruchte, „unter Millionen der Einzige“ gewesen zu sein, der den „entscheidenden Irrtum Newtons“ erkannt habe.

Die grundlegende Frage war also: Ist das Licht nach Newton ein zusammengesetztes Phänomen, und verschiedene Qualitäten führen zur Farbe, oder ist Licht eine „Einheit“, wie Goethe es vertrat, und Farbe ist ein Phänomen verschiedener Qualität. Als ganzheitlicher Wissenschaftler begründete Goethe die in seinen Augen falsche Theorie Newtons mit dessen Persönlichkeit, die er als „ohne Leidenschaft, ohne Begierden“ beschrieb. „Diesem unbiegsamen Charakter ist eigentlich die Lehre ihr ganzes Glück schuldig“, tobte Goethe.

Während der physikalische Teil seiner Arbeit sich nicht gegen Newtons Arbeit durchsetzen konnte wirken seine Texte zur psychologischen Wirkung von Farben bis heute nach.  Goethe sah Farben „als Bewusstseinsinhalte von sinnlichen Qualitäten“. Er legt den Schwerpunkt auf die psychologische Wirkung von Farben: Rottöne „stimmen regsam, lebhaft, strebend“, Gelb wirke „prächtig und edel“ und mache einen „warmen und behaglichen Eindruck“, während Blau „ein Gefühl der Kälte“ vermittle.

Auch den Schweizer Maler und Lehrer am Dessauer Bauhaus Johannes Itten bewegte die Sache mit den Farben. Sein Farbkreis aus dem Jahre 1961 ist weiter verbreitet als die Farbkreise von  Newton oder Goethe. Diese Tatsache lässt sich wohl damit begründen, dass es Johannes Itten gelungen ist, mit wenigen Farben als einfache geometrische Darstellung die Zusammenhänge der Farben nachvollziehbar aufzuzeigen. Gerade einmal 12 Farben verwendet er in seinem Modell.

Farbkreis des Schweizer Malers Johannes Itten von 1961

Die Basis bilden die drei Primärfarben Blau, Gelb und Rot. Eine Sekundärfarbe erhält man, wenn man zwei Primärfarben mischt. Aus Blau und Gelb entsteht Grün, Blau und Rot ergeben Violett und wenn man Gelb mit Rot mischt, bekommt man Orange. Die drei Sekundärfarben erweitern Ittens Farbkreis auf insgesamt sechs Farben.

Interessant finde ich bei diesem Modell, dass es den Farbzuordnungen zu den Buchstaben des Hebräischen Alphabets ziemlich nahe kommt.